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Die Geschichte der Thermen - Teil 3: Das Mittelalter

Die hochentwickelte Technik für den Bau von Thermen geht nach dem Ende des Römischen Reiches in Westeuropa verloren. Über den Umweg des Hammams und die Kreuzzüge gelangt es wieder dorthin zurück. Badstuben entstehen - und werden nicht nur zum Schröpfen benutzt.

Die Geschichte der Thermen - Teil 3: Das Mittelalter

Mit dem Zerfall des Römischen Reiches im westlichen Europa setzte der Niedergang der Bäder ein. Im Byzantinischen Reich blieben sie jedoch erhalten, wurden nach dessen Eroberung von den Arabern übernommen und zum Hammām weiterentwickelt.

Foto: © "Intérieur de bains publics à Kashan en Perse vers - Lithographie de Pascal Coste." by Eugène Flandin - Voyage en Perse, avec Flandin, éd. Gide et Baudry, 1851. Public domain via Wikimedia Commons.

Währenddessen gewann in den christlichen Ländern die Lehrrichtung der Askese zunehmend an Bedeutung, die das Baden als Verweichlichung und Luxus ablehnte. Das Nicht-Baden wurde in den Rang einer Tugend erhoben, die als ebenso bedeutungsvoll galt wie das Fasten. Der einflussreiche Kirchenlehrer Augustinus erklärte, ein Bad pro Monat sei gerade noch mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren. Mönche sollten am besten überhaupt nur vor Ostern und Weihnachten in die Wanne steigen. Das Badeverbot galt jedoch nur für die breite Masse. Von Kaiser Karl dem Großen ist bekannt, dass er ein hervorragender Schwimmer war und regelmäßig die Schwefelquellen von Aachen aufgesucht hat.

Rückbesinnung auf verlorenes Heilwissen

Über heimkehrende Kreuzfahrer gelangte das Wissen über orientalische Bade- und Gesundheitskulturen schließlich ab dem 13. Jahrhundert wieder zurück nach Europa. Gleichzeitig führte die Ausbreitung von Seuchen und Krankheiten zur Rückbesinnung auf fast verlorenes Heilwissen. Erst jetzt begann man, aus der Antike bekannte Bäder wiederzuentdecken, und richtete vielerorts sogenannte Badstuben ein. Es entwickelte sich der Beruf des Baders, den man auch als Reiber, Lasser, Wasserzieher oder Wundarzt bezeichnete. Die meist recht rustikal angewandten Therapien reichten vom damals üblichen Aderlass über Zuber-, Schwitz- und Heißbäder, Kräuter- und Salbenbehandlungen, Teekuren und Schröpfen bis hin zu Massagen und Bewegungsübungen. Vor allem die exzessiven Schröpfkuren hatten aber oft den gegenteiligen Effekt und führten nicht selten zum Tod.

Zum Baden ins Bordell

So manches Badhaus diente auch als verstecktes Bordell, in dem Prostituierte ihre Dienste anboten. Einige Badstuben gerieten deshalb in zweifelhaften Ruf und wurden teilweise überhaupt verboten. Nach dem Besuch eines Bades im Schweizerischen Baden vermerkte Poggio, der Begleiter des Papstes Johann XXIII. zum Konzil von Konstanz, 1417: „In den Bädern daselbst badeten beide Geschlechter zusammen in einem gemeinsamen Bassin; an den Wänden liefen Galerien für die Zuseher, welche oft Kränze den badenden Nymphen zuwarfen, die diese mit arglos aufgehobenem Linnengewande auffingen."

Das Wissen um die Heilkraft natürlicher Quellen auf heimischem Boden ging im Mittelalter weitgehend verloren. Urkundlich erwähnt wurden 777 die Solequellen von Bad Hall. Und zum Schutz der Quelle von Bad Kleinkirchheim wurde 1492 eine für den Ort namensgebende Kirche erbaut.

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